1200x717 ende kohlefeuerung hennigsdorf 1Nach fast drei Jahrzehnten werden die Kohlekessel im Heizhaus „Nord“ jetzt außer Betrieb genommen. Damit endet zugleich die Kohlefeuerung in der Fernwärmeversorgung der Stadt Hennigsdorf. „Wir gehen heute einen weiteren wichtigen Schritt, um den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid konsequent zu verringern“, sagte Bürgermeister Thomas Günther am Donnerstag (16.05.) bei einem Vor-Ort-Termin. Die Stadt Hennigsdorf sei mit ihrem Engagement beispielgebend im Land Brandenburg und darüber hinaus, betonte er.

Neben der CO2-Reduzierung um jährlich gut 4.000 Tonnen verbessern sich nach den Worten von Bürgermeister Günther auch die Umweltbedingungen. So verringere sich mit der Außerbetriebnahme des Heizhauses „Nord“ der jährliche Ausstoß von Schwefeldioxid um gut 30 Tonnen und von Stickoxiden um knapp 10 Tonnen. „Die Umstellung auf erneuerbare Energien ist also nicht nur gut für den Klimaschutz, sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mit einem ganz praktischen Zugewinn an Lebensqualität verbunden“, unterstrich Günther.

Abwärme aus Stahlwerk statt Kohleverbrennung
„Die schrittweise Ablösung fossiler Brennstoffe ist Bestandteil unserer langfristig angelegten Strategie, die Wärmeversorgung in Hennigsdorf vollständig auf regenerative Energieträger umzustellen“, betonte Thomas Bethke, Geschäftsführer der Stadtwerke Hennigsdorf GmbH (SWH). Ein wesentlicher Baustein sei dabei die Nutzung industrieller Abwärme aus dem Stahlwerk. Sie werde künftig über das neu errichtete Heizhaus „Nord II“ (Standort rechts der Ortsausfahrt in Richtung Velten) in das rund 54 Kilometer lange Fernwärmenetz eingespeist.

Im Juni werde „Nord II“ mit einer Leistung von 2 x 5.000 Kilowatt ans Netz gehen, teilte der Stadtwerke-Geschäftsführer mit. „Noch wirkungsvoller wird die Nutzung der industriellen Abwärme durch den am Standort vorgesehenen Bau eines Wärmespeichers mit einem Fassungsvermögen von voraussichtlich rund 22.000 Kubikmetern“, erläuterte Bethke. Hier könne die im Stahlwerk anfallende Abwärme gespeichert und nach Bedarf in das Fernwärmenetz eingespeist werden.

Ehrgeiziges Ziel: 100 Prozent erneuerbare Energie
Nach Auskunft von Bethke investieren die Stadtwerke Hennigsdorf in die Nutzung der industriellen Abwärme insgesamt gut elf Millionen Euro – rund 7 Mio. für die Abwärme-Auskopplung im Stahlwerk und die Errichtung des Heizhauses „Nord II“, 1,6 Mio. für die Kesselanlage sowie 2,6 Mio. für die Steuerungstechnik.
Die langfristig angelegte Strategie der Stadtwerke sieht vor, den Anteil der CO2-freien Wärmeerzeugung von derzeit 54 Prozent in den nächsten drei Jahren auf etwa 80 Prozent zu erhöhen und den Kohlendioxid-Ausstoß um jährlich rund 12.000 Tonnen zu verringern. Voraussichtlich ab 2028 soll die Fernwärme in Hennigsdorf dann vollständig aus regenerativen Energiequellen erzeugt werden. 

Hintergrund:
In den 1992 gebauten 3 x 2.500-Kilowatt-Kohlekesseln des Heizhauses „Nord“ sind in den zurückliegenden 27 Jahren insgesamt rund 37.000 Tonnen Steinkohle verfeuert worden. Die damit erzeugte Leistung beträgt rund 300.000 Megawattstunden.

Ein Gaskessel und eine Netzumwälzpumpe im Heizhaus „Nord“ bleiben noch in Betrieb, bis das neue Heizhaus „Nord II“ ans Netz geht. Der vorhandene Gaskessel kann künftig jedoch – beispielsweise bei besonders hohem Wärmebedarf aufgrund extremer Witterungslagen – jederzeit zugeschaltet werden.